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Haftung bei Steuerhinterziehung des Mandanten

Haftung bei Steuerhinterziehung des Mandanten

Haftung, „Regress“- und Schadensersatzpflicht des Steuerberaters für Strafen und Bußgelder wegen der Steuerhinterziehung eines Mandanten

Wird ein Mandant wegen einer begangenen Steuerhinterziehung zu einer Geldstrafe oder einem Bußgeld verurteilt, kann dessen Steuerberater zum Ausgleich der Geldstrafe bzw. des Bußgeldes verpflichtet sein. Diese Voraussetzung erfüllen nicht nur bloße Beratungsfehler des Steuerberaters, sondern jede wissentliche (bedingt vorsätzliche) Mitwirkung an einer falschen/unvollständigen Gewinnermittlung oder Steuererklärung.

Verletzt der Steuerberater seine Pflichten, macht er sich nach §§ 280 ff. BGB schadenersatzpflichtig. Die Beratungspflicht des Steuerberaters ist dabei als sehr umfassend zu bezeichnen. Der Steuerberater kann sich nicht darauf zurückziehen, dass der Mandant bei verständiger Würdigung auch ohne fremde Hilfe hätte erkennen können, dass der von ihm gewählte Weg rechtswidrig ist. Dies gilt nach der Rechtsprechung des BGH sogar dann, wenn der Mandant über steuerrechtliche Vorkenntnisse verfügt (BGH vom 15.04.2010, Az: IX ZR 189/99, DStR 2010,1695).

Verstößt eine bestimmte Handhabung gegen steuerliche Rechtsvorschriften, so muss der Steuerberater den Mandanten hierauf hinweisen. Besteht der Mandant jedoch auf eine rechtswidrige Behandlung eines steuerlich relevanten Sachverhalts, z. B. dem ungerechtfertigten Ansatz von Werbungskosten oder Betriebsausgaben, darf der Steuerberater dem Begehren des Mandanten nicht folgen und muss das Mandat im Zweifel niederlegen. Selbstverständlich darf der Steuerberater auch nicht von sich aus einen steuerlich relevanten Sachverhalt gegenüber den Steuerbehörden falsch erklären, der zu einer Verkürzung des Steueranspruchs führt.

Berufsrechtliche Hinweise zu Schadenersatzpflicht und Haftung des Steuerberaters

1. So vermeiden Steuerberater Schadenersatzpflicht und Haftung bei Steuerhinterziehung des Mandanten

Der Steuerberater muss seinen Mandanten nach Möglichkeit vor jedem (steuerlichen) Schaden warnen. Dabei hat er den sichersten Weg zum erstrebten steuerlichen Ziel aufzuzeigen und dem Mandanten sachgerechte Vorschläge zur Erreichung dieses Ziels zu unterbreiten (ständige Rechtsprechung, BGH vom 16.10.2003, AZ. IX ZR 167/02, DStRE 2004, 237 ff.). In Fällen der Steuerhinterziehung hat der Steuerberater darauf hinzuwirken, im Namen des Mandanten eine strafbefreiende Selbstanzeige abgeben zu können (LG Saarbrücken vom 23.01.2012, AZ. 9 O 251/10, PStR 2012, 84f.). Dies entspricht der ständigen höchstrichterlichen Rechtsprechung des BGH und geht auf eine Entscheidung des Reichsgerichtshofs (RGZ 169, 267) zurück (vgl. BGH vom 31.01.1957, Az. II ZR 41/56, NJW 1957, 586; KG vom 31.01.2008, Az. 27 U 112/ 07, DStR 2008, 1983 ff.).

2. Schadenersatzpflicht und Haftung des Steuerberaters bei einer Steuerhinterziehung des Mandanten - Berechnung der Schadenshöhe

Der Schaden ist regelmäßig mit der Höhe der gegen den Mandanten wegen Steuerhinterziehung verhängten Geldstrafe/Geldbuße identisch. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die Gerichte ebenso wie die Straf- und Bußgeldstellen der Finanzämter im Steuerstrafrecht sehr viel häufiger als im „normalen“ Strafrecht zur Verhängung von Straf- und Bußgeldern neigen. Diese belaufen sich im Einzelfall nicht selten auf mehrere hunderttausend Euro.

3. Abtretung des Schadenersatzanspruchs an das Finanzamt

In den letzten Jahren häufen sich Fälle, in denen der Mandant seinen möglicherweise bestehenden Schadensersatzanspruch an das Finanzamt abgetreten hat. Im Ergebnis geht das Finanzamt dann aus abgetretenem Recht unmittelbar zivilrechtlich (Leistungsklage) gegen den Steuerberater vor. Eine solche Konstellation wird den Steuerberater wenig erfreuen, denn das Finanzamt wird mit dem im Zusammenhang mit der Klage bestehenden Kostenrisiko weniger zögerlich umgehen als der (ehemalige) Mandant.

4. Schadenersatzpflicht und Haftung des Steuerberaters bei einer Steuerhinterziehung des Mandanten - Beweislastverteilung

In der Theorie muss der Mandant die anspruchsbegründenden Tatsachen beweisen können. Er muss also nachweisen, dass der Steuerberater einen Beratungsfehler begangen hat. Weiterhin muss er nachweisen, dass der Beratungsfehler für die fehlerhafte Steuerfestsetzung kausal war, deren Folge wiederum die Bestrafung wegen Steuerhinterziehung sein muss. In der Praxis kommt es aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse nicht selten zu einer Beweislastumkehr. Ganz offensichtlich wurden im Falle der Verurteilung wegen Steuerhinterziehung bei der Erfüllung der steuerlichen Pflichten Fehler gemacht, sonst wäre es nicht zu einer Steuerhinterziehung gekommen. Folglich spricht der Beweis des ersten Anscheins dafür, dass der Steuerberater (wissentlich oder nicht) einen Fehler gemacht hat.

Im Ergebnis wird der Steuerberater trotz der Beweislastverteilung zu seinen Gunsten gezwungen sein, anhand von Aktennotizen oder sonstiger Aufzeichnungen einen Entlastungsbeweis dahingehend zu führen, dass er den Mandanten über bestehenden Risiken aufgeklärt hat. Verfügt der Steuerberater über solche Aufzeichnungen nicht, hat er die Möglichkeit anhand von Zeugenaussagen seiner Mitarbeiter nachzuweisen, dass er der Beratungspflicht vollumfänglich nachgekommen ist.

5. Schadenersatzpflicht und Haftung des Steuerberaters bei einer Steuerhinterziehung des Mandanten - Verjährung des Schadenersatzanspruchs

Für Altfälle gilt die mit Wirkung vom 15. Dezember 2004 aufgehobene Regelung des 
§ 68 StBerG. Danach verjährt der Anspruch des Mandanten auf Schadensersatz aus dem zwischen ihm und dem Steuerberater bestehenden Vertragsverhältnis innerhalb von drei Jahren von dem Zeitpunkt der Anspruchsentstehung an. Der Anspruch ist nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs dann entstanden, wenn eine objektive Verschlechterung der Vermögenslage eingetreten ist. Dies ist in Steuersachen dann der Fall, wenn sich das pflichtwidrige Verhalten des Steuerberaters in einem belastenden Steuerbescheid ausgewirkt hat (zuletzt BGH vom 03.02.2011, Az: IX ZR 183/08, DStR 2011, 1050). Sind für denselben Besteuerungszeitraum hintereinander mehrere Steuerbescheide erlassen worden, ist für den Verjährungsbeginn grundsätzlich auf das Datum des Erstbescheides abzustellen (KG vom 31.01.2008, Az. 27 U 112/07, DStR 2008, 1983).

Da die Regelung des § 68 StBerG ersatzlos aufgehoben wurde, gelten nunmehr die allgemeinen Verjährungsregelungen des BGB. Danach beginnt die Verjährungsfrist mit dem Schluss des Jahres, in dem dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger, also der Mandant, von den anspruchsbegründenden Umständen (z.B. Falschberatung) und der Person des Schuldners (der Steuerberater) Kenntnis erlangt hat. Im Gegensatz zur Altregelung des § 68 StBerG beginnt die Verjährungsfrist also erst, wenn der Mandant von den haftungsbegründenden Tatsachen weiß bzw. wissen müsste (§ 199 Abs. 1 BGB). Sie beginnt nach § 199 Abs. 4 BGB spätestens 10 Jahre nach Entstehung des Anspruchs. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass der Steuerberater nachweisen muss, dass der Mandant von den anspruchsbegründenden Tatsachen Kenntnis hatte, also der Beginn der Verjährungsfrist zu diesem Zeitpunkt bereits eingetreten ist.

Der Ablauf der Verjährungsfrist kann vom Mandanten wirksam gehemmt werden, z. B. durch Einreichung einer Leistungs- oder Feststellungsklage bzw. durch Zustellung eines Mahnbescheides, § 204 Abs. 1 BGB.

6. Schadenersatzpflicht und Haftung des Steuerberaters bei einer Steuerhinterziehung des Mandanten - Hinweise

Im Ergebnis ist jedem Steuerberater dazu zu raten, detailliert zu dokumentieren, dass der Mandant über bestehende steuerliche Risiken vollumfänglich aufgeklärt wurde und entsprechende Hinweise erteilt wurden. Aufgrund der bei Steuerstrafsachen üblichen hohen Geldstrafe sollte sich der Steuerberater jedenfalls von einem erfahrenen Rechtsanwalt im Falle eines Haftungsprozesses beraten lassen.

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